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Low-Code und No-Code richtig einsetzen: Chancen, Grenzen und Sicherheitsaspekte

Von: Kai HinkeLow-CodeNo-CodeIT-Sicherheit
aktualisiert: 01/04/2026
Lesezeit: 8 min

Einleitung

Low-Code und No-Code gelten seit einigen Jahren als wichtige Ansätze, um Anwendungen schneller zu entwickeln und Fachbereiche stärker in die Digitalisierung einzubinden. Die Grundidee ist einfach: Software soll nicht mehr ausschließlich durch klassische Programmierung entstehen, sondern über visuelle Entwicklungsumgebungen, vorgefertigte Bausteine und konfigurierbare Funktionen.

Das klingt vielversprechend – und ist es in vielen Fällen auch. Unternehmen können Entwicklungszyklen verkürzen, IT-Teams entlasten und Fachabteilungen ermöglichen, digitale Lösungen näher an ihren konkreten Anforderungen zu gestalten.

Gleichzeitig sind Low-Code und No-Code kein Selbstläufer. Ohne klare Steuerung können schnell Insellösungen, Sicherheitsrisiken oder unklare Verantwortlichkeiten entstehen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob Unternehmen Low-Code- oder No-Code-Plattformen einsetzen, sondern wie sie dies tun.

Was sind Low-Code und No-Code?

Low-Code und No-Code sind Entwicklungsansätze, mit denen Anwendungen schneller und mit weniger klassischem Programmieraufwand erstellt werden können.

Bei No-Code steht im Vordergrund, dass Anwender möglichst ohne Programmierkenntnisse Anwendungen konfigurieren können. Funktionen werden meist über grafische Oberflächen, Formulare, Workflows oder Baukastenelemente zusammengestellt.

Bei Low-Code wird ebenfalls viel über visuelle Werkzeuge gearbeitet. Gleichzeitig bleibt aber mehr Raum für individuelle Anpassungen, Integrationen und technische Erweiterungen. Dadurch eignet sich Low-Code häufig besser für komplexere Anforderungen.

Beide Ansätze richten sich auch an sogenannte Citizen Developer. Damit sind Mitarbeitende aus Fachbereichen gemeint, die digitale Lösungen mitgestalten oder teilweise selbst erstellen, ohne klassische Softwareentwickler zu sein.

Low-Code vs. No-Code: der Unterschied

Der wichtigste Unterschied liegt im Grad der Flexibilität.

No-Code eignet sich vor allem für einfache, klar abgegrenzte Anwendungen. Dazu gehören zum Beispiel kleinere interne Tools, einfache Formulare, Checklisten, Freigaben oder Automatisierungen innerhalb eines begrenzten Einsatzbereichs.

Low-Code geht einen Schritt weiter. Hier können auch komplexere Prozesse, Datenmodelle, Geschäftslogiken oder Schnittstellen umgesetzt werden. Low-Code-Plattformen sind deshalb interessanter, wenn Anwendungen stärker in bestehende IT-Landschaften eingebunden werden müssen.

Kurz gesagt:
No-Code ist besonders niedrigschwellig. Low-Code ist meist flexibler und leistungsfähiger.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Wahl zwischen Low-Code und No-Code sollte immer vom konkreten Anwendungsfall abhängen.

Chancen für Unternehmen

Richtig eingesetzt, bieten Low-Code- und No-Code-Plattformen klare Vorteile. Sie können Entwicklungszeiten verkürzen, Fachbereiche stärker einbinden und helfen, Digitalisierungsvorhaben schneller umzusetzen.

Gerade dort, wo Anforderungen aus den Fachbereichen sehr konkret sind, kann das ein großer Vorteil sein. Mitarbeitende, die den Prozess aus dem Alltag kennen, können Ideen schneller einbringen und digitale Lösungen näher an der Praxis gestalten.

Auch IT-Abteilungen können profitieren. Wenn einfache Anwendungen oder Anpassungen nicht jedes Mal vollständig individuell entwickelt werden müssen, bleiben mehr Ressourcen für komplexe, strategische oder sicherheitskritische Aufgaben.

Low-Code und No-Code können damit ein sinnvoller Baustein in der Prozessdigitalisierung sein – vorausgesetzt, sie werden sauber in die IT-Strategie eingebettet.

Typische Grenzen und Risiken

Trotz aller Vorteile gibt es klare Grenzen. Besonders No-Code-Lösungen stoßen oft schnell an ihre Grenzen, wenn Anforderungen komplexer werden. Das betrifft zum Beispiel Integrationen mit Drittsystemen, individuelle Geschäftslogik, anspruchsvolle Datenmodelle oder besondere Sicherheits- und Compliance-Vorgaben.

Ein weiteres Risiko entsteht, wenn Fachbereiche Anwendungen vollständig unabhängig von der IT aufbauen. Dann können lokale Insellösungen entstehen, die nicht ausreichend dokumentiert, gewartet oder abgesichert sind.

Problematisch wird das vor allem bei Daten. Wenn mehrere Systeme unabhängig voneinander arbeiten, entstehen schnell dezentrale Datenpools. Daten können doppelt, veraltet oder widersprüchlich sein. Das erschwert Prozesse, Reporting und Governance.

Low-Code und No-Code brauchen deshalb klare Leitplanken. Sie sollen Fachbereiche befähigen, aber nicht zu unkontrolliertem Wildwuchs führen.

Vier Kriterien für den sicheren Einsatz

1. Anwendungsfälle klar definieren: Nicht jede Anwendung eignet sich gleichermaßen für No-Code oder Low-Code. Unternehmen sollten vorab prüfen, wie komplex der jeweilige Use Case ist. Für einfache Formulare, kleine interne Workflows oder überschaubare Automatisierungen kann No-Code ausreichen. Sobald jedoch komplexe Prozesse, individuelle Logik oder Schnittstellen zu anderen Systemen notwendig werden, ist Low-Code oft die passendere Wahl. Bei sehr komplexen oder stark kundenspezifischen Anforderungen bleibt klassische Individualentwicklung weiterhin relevant.

2. Einkauf und Plattformauswahl zentral steuern: Die Auswahl von Low-Code- oder No-Code-Plattformen sollte nicht isoliert in einzelnen Fachbereichen stattfinden. Die Unternehmens-IT sollte von Anfang an eingebunden sein. Nur so lässt sich sicherstellen, dass neue Plattformen zur IT-Strategie passen, bestehende Systeme sinnvoll ergänzen und Sicherheits- sowie Datenschutzvorgaben eingehalten werden. Zentrale Steuerung verhindert außerdem, dass viele voneinander getrennte Tools entstehen, die später schwer zu integrieren oder zu kontrollieren sind.

3. Know-how und Verantwortlichkeiten aufbauen: Auch wenn Low-Code und No-Code den Einstieg erleichtern, brauchen Unternehmen qualifizierte Verantwortliche. Anwendungen müssen fachlich betreut, technisch verstanden und langfristig weiterentwickelt werden. Dazu gehört auch, klare Rollen zu definieren: Wer darf Anwendungen erstellen? Wer prüft Sicherheit und Datenschutz? Wer ist für Wartung, Support und Dokumentation verantwortlich? Unternehmen sollten außerdem entscheiden, ob sie Know-how intern aufbauen oder externe Unterstützung nutzen möchten.

4. Betrieb und Weiterentwicklung sicherstellen: Eine Low-Code- oder No-Code-Anwendung ist nach der Erstellung nicht automatisch abgeschlossen. Sie muss betrieben, gepflegt und bei Bedarf angepasst werden. Updates, Berechtigungen, Schnittstellen, Support und Sicherheitsprüfungen bleiben wichtige Aufgaben. Auch hier spielt die IT eine zentrale Rolle. Fachbereiche können mit Low-Code und No-Code schneller und agiler arbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass sie vollständig unabhängig von IT-Governance, Security und Betrieb agieren sollten.

ConSol CM und der sichere Einsatz flexibler Plattformen

Auch im Umfeld von ConSol CM spielt die Balance aus Flexibilität, Anpassbarkeit und professioneller IT-Steuerung eine wichtige Rolle. Unternehmen benötigen Lösungen, die Prozesse schnell und passgenau abbilden können, ohne dabei Sicherheit, Wartbarkeit und Governance aus den Augen zu verlieren.

„Gerade Low-Code-Plattformen besitzen ein hohes Potenzial für die schnelle Entwicklung und Adaption von Applikationen. Allerdings sollten Unternehmen sie nicht ungeprüft ohne Einbindung in die zentrale IT-Strategie einsetzen, um eine optimale Nutzung und Vermeidung von Sicherheitsrisiken zu gewährleisten“, erklärt Kai Hinke, Leiter ConSol CM Software bei ConSol.

Gleichzeitig bleibt wichtig, realistisch zu bewerten, wo Low-Code sinnvoll ist und wo individuelle Entwicklung weiterhin die bessere Wahl bleibt. Kai Hinke ergänzt: „Ausschließlich auf Low-Code-Entwicklung zu setzen, wird kein gangbarer Weg sein. Die Individualentwicklung wird auch weiterhin bei sehr komplexen und kundenspezifischen Anwendungsfällen das Mittel der Wahl bleiben.

Fazit

Low-Code und No-Code können Unternehmen helfen, Anwendungen schneller zu entwickeln, Fachbereiche stärker einzubinden und Digitalisierungsprojekte effizienter umzusetzen. Besonders bei klar definierten Anwendungsfällen bieten diese Ansätze großes Potenzial.

Gleichzeitig dürfen Unternehmen die Risiken nicht unterschätzen. Ohne zentrale Steuerung, klare Verantwortlichkeiten und ausreichendes Know-how können Insellösungen, Sicherheitslücken und inkonsistente Datenstrukturen entstehen.

Der erfolgreiche Einsatz von Low-Code und No-Code braucht deshalb beides: Offenheit für schnelle, flexible Entwicklung und eine klare Einbettung in IT-Strategie, Security und Governance. Nur dann werden aus schnellen Anwendungen auch langfristig tragfähige Lösungen.